Die Kaaba wurde gemäß Sure 22/26 von Adam erbaut und die zwischenzeitliche Ruine von Abraham (Abraham /Ibrāhīm) in Zusammenarbeit mit seinem Sohn Ismael im Auftrag Gottes als Wallfahrtsstätte wiedererrichtet.
Die Kaaba wurde gemäß Sure 22/26 von Adam erbaut und die zwischenzeitliche Ruine von Abraham (Abraham /Ibrāhīm) in Zusammenarbeit mit seinem Sohn Ismael im Auftrag Gottes als Wallfahrtsstätte wiedererrichtet.

Islam

DER ISLAM

 

Der Hochgottglauben der drei monotheistischen Religionen wird geschichtlich auf einen gemeinsamen Stammvater zurückgeführt: Abraham (arab. Ibrahim), den der Koran als »Muslim« (im Sinne von »Hingabe an Gott«) bezeichnet (3: 65–68); denn Abraham hatte nach gemeinsamer Überlieferung als »Urmonotheist« erstmals erkannt, dass es logischerweise nur einen Gott geben kann, und diesen als handelnde Persönlichkeit jenseits der Erscheinungswelt begriffen.

 

Muslime fühlen sich mit allen an Gott glaubenden Menschen als Seine gemeinsamen Geschöpfe wesenhaft (ontologisch) verbunden; ihre abrahamische Verbundenheit mit Juden und Christen, im Koran »Leute des Buches« (AL al-kitab) genannt, geht darüber hinaus: Der Islam ist die einzige Religion, welche das Festhalten an den Wahrheiten anderer Religionen zur Bedingung des eigenen Glaubens macht. So kommt es, dass der Islam die Hauptmerkmale des jüdischen Glaubens – Gottes Gerechtigkeit – und des christlichen Glaubens – Gottes Liebe – in sich vereint.

 

Allerdings halten die Muslime nur ihren Eingottglauben (tauhid, von »ahad«: einer) für rein und unverfälscht. Die jüdische Überzeugung, noch immer einem von Gott privilegierten »auserwählten Volk« anzugehören, zumal auf nur biologischer Basis, ist aus islamischer Sicht mit Gottes gerechter und gütiger Zuwendung zur gesamten Menschheit unvereinbar (5: 18; 62: 6). Als mit Gottes Erhabenheit unvereinbar gilt Muslimen die jüdische Überzeugung, zu Ihm in einem bilateralen Vertragsverhältnis (»Bund«) zu stehen.

 

Das christliche Gottesverständnis, geprägt vom Konstrukt einer »Erlösung« heischenden Erbsünde und der darauf bezogenen Menschwerdung Gottes in Jesus (Inkarnation), wird von den Muslimen ebenfalls abgelehnt. Die Vorstellung, dass ein Mensch – und sei es ein Prophet – mit Gott »wesensgleich« sein könne, wie dies vom 1. Ökumenischen Konzil in Nizäa 325 als kirchliches Dogma formuliert worden war, halten Muslime für eine gnostische Spekulation. Die 112. Sure des Korans, al-Ikhlas, die in ihrer Bedeutung einem Drittel des ganzen Korans gleichkommt, verwirft solche Vorstellungen:
Sprich: »Er ist der Eine Gott, Allah, der Absolute. Er zeugt nicht und ist nicht gezeugt, Und es gibt keinen, der Ihm gleicht.«

 

Erst recht gilt Muslimen das Konstrukt einer göttlichen Dreifaltigkeit (Trinität) als Modifizierung des strengen Eingottglaubens. Die Lehre von der Einheit Gottes (tauhid) spielt somit unter Muslimen eine alles überragende Rolle. Der erste Teil des islamischen Glaubenbekenntnisses lautet denn auch »Es gibt keine Gottheit außer Gott« (la ilaha illa Allah).

 

 

DER ISLAM ALS OFFENBARUNGSRELIGION

 

Die Anhänger der drei monotheistischen Weltreligionen sind sich darin einig, dass der Mensch die Rätsel seines Daseins durch Naturbeobachtung und Nachdenken nicht entschlüsseln, aus Sinneseindrücken also nichts Verlässliches über die letzte Wirklichkeit erfahren kann. Sie halten daher eine Manifestation Gottes für notwendig (und natürlich auch möglich). Kern des islamischen Glaubens ist die Überzeugung, dass Gott beginnend mit Adam (20: 122) zu allen Völkern Propheten entsandte (10: 47; 28: 45), um sie über das ihnen zuträgliche Verhalten ebenso zu unterrichteten wie über Sein Walten und die Letzten Dinge. Besonders prägend waren die Propheten mosaischen Glaubens, um deretwillen die »Kinder Israels« ursprünglich »vor aller Welt erwählt« worden waren (44: 32). Die Muslime unterscheiden einen »Gesandten« (rasul), der – wie Moses und Muhammad – eine Heilige Schrift als neue Rechtleitung empfängt, von einem »Propheten« (nabi), der eine bereits geoffenbarte Botschaft verwirklichen hilft. Danach ist jeder Gesandte Prophet, doch nicht jeder Prophet ein Gesandter. Propheten sind jedenfalls Ausnahmeerscheinungen. Dennoch kann jeder »inspirierte« Mensch im Einzelfall göttliche Eingebungen (ilham) erhalten.

 

 

 

EIN MUSLIMISCHER PROPHET

 

Der zweite Teil des islamischen Glaubensbekenntnisses lautet: »Muhammad ist Sein Gesandter« (Muhammad ar-rasulu’llah). Nicht nur Prophet ist damit gemeint, sondern der im Johannes-Evangelium (Joh. 14, 16 und 16, 13) angekündigte, alle Offenbarung »besiegelnde«, also letzte Gesandte Gottes (33: 40). Aus islamischer Sicht war dessen Aufgabe, die geschilderten Verwerfungen des jüdischen und christlichen Gottesbildes zu korrigieren und die Menschheit zu lehren, was sie nicht wusste (2: 151), mit einem  Buch, in dem Wir nichts übergangen haben. (6: 38)

 

Dieser Prophet des Islam, Muhammad b. ‘Abdallah, wurde am Montag, dem 17. Juni 569, in Mekka geboren und ist am Montag, dem 4. Juni 632, in Medina gestorben. Solche Präzis Ionen unterstreichen, dass das gesamte Leben des islamischen Propheten sich im vollen Lichte der Geschichte abgespielt hat. Wegen der äußerst prekären Quellenlage des Neuen Testaments gilt es heute auch unter christlichen Theologen als aussichtslos, die konkrete Geschichtlichkeit von Jesus zu beweisen; vom verkündeten Jesus weiß man viel, vom verkündenden Jesus wenig. Im Gegensatz dazu sind Leben und Wirken Muhammads in allen Einzelheiten dokumentiert. Über keine Persönlichkeit der Spätantike weiß man so gut Bescheid wie über ihn.

 

Quelle: Murad Wilfried Hofmann, Islam S.15-18; 2. Auflage 2001, Diederichs