Die natürliche Religion der Menschheit

Bevor man die Beziehung zwischen Islam und Menschen beurteilt, ist es sehr wichtig zu klären, was Islam in Realität ist und was es nicht ist. Es ist nicht richtig den Koran bzw. Islam, basierend auf falschen Informationen zu bewerten. Genauso schwierig ist es aber auch eine „neutrale“ Perspektive zu erlangen.

 

Allah, der Schöpfer verlangt nicht viel von uns Menschen. Er möchte, dass wir unseren Verstand mit Vernunft, Gewissenhaft nutzen, dass uns zu tugendhaften und prinzipiellen Individuen macht. Der Islam ist kein Glaube, der mit dem Geist, dem Gewissen und der Natur des Menschen kollidiert. Der Koran ist eine Erinnerung an die Menschheit, dass uns dazu anregt, Wissen (Erkenntnis) zu erlangen, um die Wahrheit über uns und die Welt in der wir uns befinden zu erkennen.

 

Die Begriffe ISLAM und MUSLIM entspringen aus der Wortwurzel S-L-M. Das Verbum ISLAM bedeutet, sich Gottes Geboten unterwerfen und mit Gottes Geboten Leben, um somit in einen Zustand von Frieden und Sicherheit einzutreten. Eine Person, die danach lebt nennt man Muslim. Der KORAN verleiht diesen Begriffen folgende substanzielle Eigenschaften. 1- Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit (ihlas) 2- Akzeptieren und Aneignen (ikrar). In Übereinstimmung mit diesen Begriffen und dem Prozess der Offenbarung, sehen wir, dass es die Bedeutung "mit Gott gehen" bekommt. Im Koran verwendet der Urheber (Gott) dieses Wort genau in diesem Sinne. Beispielhaft können wir auf folgende Ayah (Zeichen) hinweisen: Er sprach: „Das ist ein gerader Weg, der mir obliegt.“ (Koran 15:41) Also eine Person, die stets darauf achtet, mit Gottes Geboten zu gehen. Eine Lebensweise, dass mit Gottes Geboten harmoniert, nicht die Lebensweise derer, die ihr „Muslim“ sein auf ihre Herkunft verweisen. Diese kann man lediglich als „Kultur-Muslime“ bezeichnen. Welchen Stellenwert kann dies bei Gott haben? Ein Muslim ist eine Person, die „mit Gott geht“ und mit den schönsten Attributen agiert.

 

Der KORAN enthält all essenzielle und universelle Werte der Menschheitsfamilie. Verstand, Vernunft, Körper sowie die Seele bzw. das Gewissen des Menschen werden angesprochen. Denn, nur wenn es Menschen mit Verstand und Gewissen in der Schöpfung gibt, bedarf es den Islam. Und wenn es den Islam gibt, hat der Mensch eine Bedeutung und einen Wert. Einer der größten Grundwerte des Islam ist, dass es Rassismus, sowie Nationalismus ablehnt und die Überlegenheit nicht in Rasse, Herkunft oder Sprache, sondern in tugendhaften Prinzipien bzw. Handlungen sieht.

 

O ihr Menschen, Wir haben euch von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Verbänden und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Der Angesehenste von euch bei Gott, das ist der Gottesfürchtigste (der die Gebote nicht bewusst übertretet) von euch. Gott weiß Bescheid und hat Kenntnis von allem. (Koran 49:13)

 

Daher ist der Islam ein Gott-zentrierter, aber auf den Menschen ausgerichtete Religion. Der Islam ist für die Menschen. Sie dient dazu, den Menschen in eine für die Schöpfung geeignete Form zu bringen. Der Islam ist die Religion, dass die grundlegendsten und universellsten Grundsätze der Offenbarung beinhaltet. Der ISLAM ist eine Erinnerung an uns Menschen, dass wir von Gott sind, dass uns in diesem Leben auf den geraden Weg leitet, dass das Leben Sinnvoll und Wertvoll macht, und das uns daran hindert, unseren Verstand und Gewissen zu verkümmern. Die schönste Antwort auf Fragen wie: „Was ist Religion?“ oder „Was ist der Zweck und das Ziel der Religion?" könnte so aussehen: „Die Religion ist ein Projekt (vom Schöpfer) zur Konstruktion von tugendhaften Menschen und Gesellschaften, dass auf Prinzipien wie Gerechtigkeit und Barmherzigkeit basiert.“ Auf die Frage „Was sind die Grundpfeiler des Islam?“ könnte die Antwort „Verstand, Vernunft, (freier) Wille, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit“ lauten.

 

Der Schöpfer möchte, dass wir gemäß der Würde des Menschen verantwortungsbewusst, mit Vernunft handeln, Aufrichtig und Barmherzig sind, unsere Mitmenschen Gerecht behandeln und Vertrauen geben. Genau aus diesem Grund möchte der Schöpfer, dass wir uns Seinen Geboten unterwerfen, und nicht den weltlichen und vergänglichen, kurzweiligen Gelüsten. Der Schöpfer möchte, dass wir an Seinen universellen Werten festhalten, ohne unseren Verstand und Gewissen zu trüben. Die Bestimmung des Verhältnisses zwischen Gott und Mensch ist eine individuelle Angelegenheit. Die Person, die durch ihren freien Willen beschließt, sich Gottes Geboten zu unterwerfen um die Anforderungen Gottes zu erfüllen, tut dies individuell. Religion bzw. Glaube ist eine persönliche Verantwortung des Individuums. Die Rechenschaft, die jeder einzelne im Jenseits ablegen muss, ist das Ergebnis dieser individuellen Verantwortung. Religion ist kein Zwang, sondern ein Angebot an den Menschen. In diesem Sinne hat Gott den Menschen einen weiten Raum der Freiheit gegeben. Also existiert die Religion nicht um die Menschen in Gefangenschaft zu nehmen, sondern um Freiheit und Geborgenheit zu schaffen.

 

Religion soll das menschliche Leben sinnvoll, wertvoll und lebenswert machen. Doch leider haben sich die Menschen vom Kern der Botschaft distanziert, und die Religion zu einer nicht lebenswerten "Ideologie" instrumentalisiert. Die Religion wurde durch Sitten und Bräuche erweitert, und für weltliche Interessen korrumpiert. Die Religion sollte von Tradition und Kultur, die von Menschen im Namen der Religion erzeugt wurden, getrennt werden. Der Mensch, der Religion und Tradition zusammen mischt, hat ein Religionsverständnis konzipiert, dass wir heute in allen Weltreligionen beobachten können. Das führte zu Konflikten zwischen Religion und Mensch, und artete nicht selten in Gewalt aus.

 

Der menschliche Geist und das Gewissen, dessen Natur intakt ist, wird keine Schwierigkeiten haben, religiöse Prinzipien anzunehmen, deren Natur intakt ist. Wenn die Substanz des Menschen und der Religion degeneriert ist, und der Mensch nicht zur Essenz der Religion zurückkehrt, wird der Konflikt und die Unvereinbarkeit zwischen Menschen und Religion nicht enden. Denn dies wird zwischen der korrumpierten Religion und dem Menschen zu Konflikten führen. Um diesen Konflikt zu beseitigen, müssen wir zu unserer natürlichen Einstellung zurückkehren und unser Wissen, die wir im Namen der Religion besitzen überprüfen, und unser Religionsverständnis anhand der Offenbarungsschriften überprüfen und gemäß der koranischen Botschaft berichtigen.

 

Da es keinen Konflikt zwischen Schöpfung und Botschaft geben kann, muss der Mensch sein Religionsbild kritisch überprüfen. Um dieses Problem zu lösen, müssen wir unsere Wahrnehmung und Einstellungen mit der Offenbarung des Schöpfers normalisieren. Die angemessene Religion für den Menschen, ist eine reine und natürliche, die frei von jeglichen Eingriffen und Einflüssen des Menschen ist. Der Schöpfer ist der Urheber und Besitzer dieser reinen und natürlichen Religion!!! Zwischen der von Gott offenbarten Botschaft und der von Gott erschaffenen Menschen herrscht Harmonie!!! Gottes Religion ist wie ein zugeschnittener Anzug für die Natur des Menschen. Eine Religion, die nicht für uns maßgeschneidert wäre, würde unserer natürlichen Veranlagung nicht passen.

 

Die Religion soll uns Bewusstsein und Sensibilität in Bezug auf unsere Gedanken, unser Gewissen und unsere Schöpfung geben, um uns dabei zu unterstützen, unsere Existenz und den Zweck unseres Daseins zu verstehen. Die Religion informiert uns über unser irdisches Leben und über den Tod. Es lehrt uns, eine unserer Veranlagung passende Lebensweise, um ein für die Würde des Menschen angemessenes Leben zu führen, und um die Erde zu einer sicheren, friedlichen und lebenswerten Heimat zu machen. Eine Heimat, in der wir uns vom schlechten abwenden und zum Guten hinwenden, und in dem für Egoismus, Hass und Wut kein Platz ist. Eine Heimat wo schöne und Gottgefällige Tugenden wie Barmherzigkeit, Mitgefühl und Gerechtigkeit herrscht.

 

„Und wer spricht bessere Worte als der, der zu Gott ruft, Gutes tut und sagt: «Ich gehöre zu den Gottergebenen“? (Koran 41:33)

 

Herrschen diese Verhältnisse nicht, so ist es ein Indiz für unser falsches Religionsverständnis. Deshalb sollten wir das Problem bei uns selbst, und nicht in der Botschaft suchen. Gottes Religion ist nicht wie die Religion des fehlbaren Menschen. Es ist mit der Vernunft, dem Gewissen und der natürlichen Veranlagung des Menschen im Einklang. Solange wir weder unsere natürliche Veranlagung, noch die Natur der Religion entstellen, und unser Religionsverständnis sich auf die Offenbarung und Vernunft gründet, wird die Religion auch von der Mehrheit nicht mehr als ein Problem angesehen werden, sondern als größtes Geschenk an die Menschen wahrgenommen werden.

 

Alif-Lam-Raa. Dies ist die Schrift, die WIR dir hinabgesandt haben, damit du die Menschen von der Finsternis ins Licht führst - mit der Zustimmung Ihres HERRN - auf den Weg Des Allwürdigen, Des Alllobenswürdigen. (Koran 14:1)

 

Die Finsternis steht hier für alle Arten von Unheil, das einen
Ungläubigen in all seinen Lebensbereichen, sowohl im Diesseits als auch im Jenseits verfolgt. In der Finsternis irrt man sich und ohne Licht kann man den richtigen Weg nicht finden. Ferner ist die Finsternis identisch mit der Falschheit, während Licht mit der Wahrheit identisch ist. Im Koran steht das Wort Licht stets im Singular, während sein Gegenteil, die Finsternis, immer im Plural gebraucht wird. Das bedeutet, dass der richtige Weg nur ein einziger ist, während es sehr zahlreiche Formen der Abweichung davon gibt.

 

Mit dem Wort "Licht" werden hier drei Komponenten bezeichnet: Zunächst wird damit Bezug auf die Wahrheit in der Offenbarung des Koran genommen, da sie die Menschen aus den Finsternissen des Unglaubens rettet; ferner wird damit der Prophet Muhammad selbst als Empfänger der Botschaft und Verkünder der Wahrheit genannt, und abschließend ist damit der Islam als Ganzes gemeint.

 

Doch wer Allah annimmt* und Gutes tut, der hat seinen Lohn bei seinem Herrn; und diese werden weder Angst haben noch werden sie traurig sein. (Koran 2:112)

 

Anmerkung: 2:112 - Annehmen bzw. Akzeptieren* = Tauhid. Wer Allah annimmt, ist EINS mit Ihm. Wenn wir Ihn nicht in unserem Haus (Körper/Herz/Gehirn) aufnehmen bzw. annehmen, entsteht Dualität. 


*Der Vollzug von guten Werken bzw. Taten bilden gerade das Gerüst der Botschaft im Koran. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gemeinschaft bildet keinen Anspruch auf das Heil im Jenseits. (vgl. 10:104-107).

 

*Nach westlichem Sprachgebrauch ist ein Prophet jemand, der die Zukunft kennt (Bsp. NOSTRADAMUS). Selbst in der Bibel wird der Begriff -PROPHET- als "Seher" angegeben (s. 1. Samuel 9:9). Im AT (Thora), NT (Evangelium) und LT (Koran) hingegen wird der Begriff -NABI- verwendet, dass "auserwählter Verkünder" bedeutet. Der NABI ist ein Mensch, den Gott zu seinem Sprecher (Botschafter, Verkünder) gemacht (auserwählt) hat. 

 

 

wissen-islam.de

Freiburg im Breisgau, 03. Mai 2019

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