Terror oder Djihad?

Terrorismus ist kein neues Phänomen. Er existiert seit Jahren in unterschiedlichsten Formen und betrifft unterschiedlichste Länder. Heutzutage wird von den Medien Terrorismus oftmals mit einem „militanten Islam“ in Verbindung gebracht. Der ständige Druck, sich wegen des Glaubens rechtfertigen zu müssen, bringt einige Gläubige dazu, den Islam nach säkularen Maßstäben zu messen. Andere fühlen sich durch die ständigen Anschuldigungen und Unterstellungen so frustriert, dass sie es zulassen, dass ihre islamischen Prinzipien ins Wanken geraten. Für diese Probleme gibt es eine Lösung: den Islam richtig verstehen und ihm ohne Vorurteile begegnen. 

Was ist Terrorismus

Chambers Englisch-Wörterbuch definiert “Terrorismus” als den systematischen Gebrauch von Gewalt und Bedrohungen zur Erreichung bestimmter Ziele. Die Bezeichnung „Terrorist“ ist niemals wertungsfrei, denn was für den einen ein Terrorist ist, kann für jemand anderen ein „Freiheitskämpfer“ sein. Beispielsweise gilt die IRA in Großbritannien als Terrororganisation; für irisch stämmige US-Amerikaner ist sie aber eine Widerstandsgruppe. Für die deutschen Besatzer galten die Aktionen der französischen Resistance als terroristische Angriffe, aber die Resistance wurde von den Alliierten unterstützt. Saddam Hussain hat jahrelang einen blutigen Konflikt mit dem Iran geführt, wurde aber erst wegen seiner Invasion in das ölreiche Land Kuwait als Terrorist bezeichnet. Die USA unterstützten zunächst die afghanischen Mujahedin und dann die Taliban. Später bezeichneten sie ihre ehemaligen Verbündeten als Terroristen und bekämpften sie. Wenn heutzutage eine Regierung eine nationale Minderheit terrorisiert, ihr die Menschenrechte verweigert oder an ihr einen Genozid verübt (beispielsweise der Genozid an den Bosniern durch die jugoslawische Armee), wird dies erstaunlicherweise nicht als Terrorismus bezeichnet. Bekämpft aber eine Minderheit eine Besatzungsmacht, wie beispielsweise in Palästina, wird von Terrorismus gesprochen. Wenn wir die Gründe für Terrorismus verstehen wollen und wenn wir Terrorismus stoppen wollen, müssen wir aufhören, das Wort „Terror“ dermaßen selektiv zu verwenden. In der Praxis wird der Begriff „Terrorismus“ selten wertungsfrei gebraucht; er dient meist der Bewertung von Menschen.

 

Wie beurteilt der Islam Terrorismus

Aus der Perspektive des Islam ist Terrorismus das Ermorden und Terrorisieren von Unschuldigen. Als solches ist Terrorismus kategorisch verboten, denn dies ist das genaue Gegenteil des Islam. Das Wort Islam hat seinen Ursprung im arabischen Wort Slm, das unter anderem Frieden bedeutet. Der Islam ist die einzige Religion der Welt, die die Bedeutung Frieden in ihrem Namen trägt. Ein Muslim kann somit als eine Person verstanden werden, die Frieden stiftet. Welche Bedeutung Frieden im Islam hat wird u.a. daran deutlich, dass sich überall auf der Welt Muslime mit den Worten Salam aleikum (der Frieden sei mit dir) grüßen. Die Ähnlichkeit zwischen den Wörtern Islam und Salam ist bemerkenswert. Der gesegnete Prophet, Frieden sei mit ihm, sagte: „Im Namen desjenigen, in dessen Hand meine Seele liegt: Ihr werdet niemals den Himmel betreten, bevor ihr glaubt und ihr werdet nicht eher glauben, bis ihr einander liebt. Soll ich euch sagen, was euch dazu bringt, einander zu lieben? Spendet Frieden (Salam) unter euch.“ (ein authentischer Ausspruch, festgehalten auf Arabisch in der Sammlung Muslim) Egal unter welchen Umständen es geschieht – das Töten einer unschuldigen Person wird vom Islam sehr ernst genommen. Mord kann im Islamischen Rechtssystem (Shariah) mit dem Tode bestraft werden (ein Verfahren vor einem entsprechenden Gericht voraus- gesetzt), denn ein Menschenleben ist absolut heilig – es ist ein Geschenk Gottes – und niemand außer Gott hat das Recht, ein Leben zu nehmen. “(;) wenn jemand einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen hätte, oder ohne dass ein Unheil im Lande geschehen wäre, soll es so sein, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, soll es so sein, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten (;)“ Der Hl. Koran, Sure 5, Vers 32 Der Prophet Mohammed lehrte: „Ein Gläubiger bewegt sich so lange im Rahmen der Religion, wie er nicht illegal einen Menschen tötet.“ (Ein authentischer Ausspruch, festgehalten auf Arabisch aus der Sammlung Bukhari) Kein anderer Glaube trägt die Bedeutung „Frieden“ in sich.

 

Was bedeutet Djihad

Djihad ist ein arabisches Wort und bedeutet Anstrengung. Islamisch gesehen meint dieses Wort alle Arten von Anstrengung und Streben das Gute zu gebieten und das Schlechte zu bekämpfen. Ziel dabei ist es, Gottes Segen zu erlangen. Dazu muss man wissen, welche Dinge Gott liebt und welche er ablehnt. Ziel und Zweck des Djihads ist Gerechtigkeit. Jeder, der versucht, Ungerechtigkeit in einer Gesellschaft zu beseitigen, der gute Kontakte zu seinen Nachbarn pflegt, der sich gegen Drogenkonsum engagiert, der sich um Obdachlose kümmert oder auch einfach nur Müll von der Straße aufsammelt, kann sich im Zustand des Djihad befinden. Das gilt auch, wenn jemand mit sich selbst kämpft, wenn er gegen seine eigenen schlechten Seiten oder Verlangen angeht. Gegen Hass oder Eifersucht oder Stolz anzugehen, ist ebenfalls Djihad. Der wahre Djihad setzt daher Charaktereigenschaften wie Ehrlichkeit, Integrität und Mut voraus. Der gesegnete Prophet lehrte: „Der beste Djihad ist es, ein Wort der Wahrheit gegen einen tyrannischen Herrscher zu sprechen.“ (ein authentischer Ausspruch, festgehalten auf Arabisch in der Sammlung Abu Dawud) Djihad kann durch Schreiben, Sprechen oder Partei ergreifen ausgetragen werden. Djihad kann auch eine Einladung von Menschen zum Islam sein, indem man den Koran  verwendet oder indem man die islamische Lebensweise vorlebt.