Der Begriff "Dschihad"

Der Koran ermahnt die Gläubigen, „sich für Gott einzusetzen, wie der richtige Einsatz für Ihn sein soll.“ (22:78)* Diese ernsthafte Anstrengung wird im Arabischen mit dem Begriff „jihad“ zum Ausdruck gebracht, der abgeleitet wird von der Wurzel „juhd“, was so viel wie sich mühen, um etwas ringen bedeutet, das heißt, sich aufs Äußerste anzustrengen, sein Ziel zu erreichen.

 

Dschihad ist im Islam die spirituelle Anstrengung, durch die der Gläubige zum
Gottesbewusstsein gelangt. Diese durchzieht das ganze Leben des Gläubigen. Gemäß dem
Islam befindet sich jede Person in einer Prüfung. Jede Situation, ob angenehm oder
unangenehm, mit der man konfrontiert wird, ist eine Prüfung für den Menschen. Es erfordert von jeder Person, standhaft zu bleiben in den Prinzipien der Gerechtigkeit, der
Aufrichtigkeit und Verantwortlichkeit, womit auch immer er im Leben konfrontiert wird. Bei der Entwicklung seiner Selbst ist dieser edle Charakter während seines ganzen Lebens die Anstrengung, durch die der Gläubige zu gehen hat. Und das ist der wahre Geist des Dschihad.

 

Wenn, zum Beispiel, eine Angelegenheit der Wahrheit an einen Menschen herangetragen
wird und er sie nicht erkennen kann aus Sorge, seinen Status zu verlieren; wenn man das
Vermögen oder Eigentum von jemandem in seinem Besitz hat und zögert, es dem
rechtmäßigen Besitzer wiederzugeben; wenn man seinen Ärger zügelt, um ein Leben zu
führen in Bescheidenheit, wie es von Gott gewünscht ist; wenn man die Unterdrückung der
Wut und Rachsucht findet, um geduldig zu sein in Bezug auf das eigene Nichts; wenn man
versäumt, Worte der Wahrheit zu sprechen und aufzustehen für die Gerechtigkeit aus Angst,
seine Beliebtheit zu verlieren. Bei allen solchen Gelegenheiten muss der Mensch den
rechten Pfad beschreiten.

 

In einem Vers sagt der Koran: „Setze dich mit dem Koran ein mit großem Einsatz.“ (25:52)

 

Der Koran ist nur ein Buch und kein Schwert, so bedeutet „setze dich mit großem Einsatz mit dem Koran ein“, etwas mit großem Einsatz zu tun mit der grundlegenden Kraft des Koran. Tatsächlich ist Dschihad nur ein anderer Begriff für friedvolle Aktion. Und friedvolle Aktion ist die einzige Waffe, mit der der Islam seine Ziele und Zustände erreichen will. Dschihad bedeutet hier friedlicher Kampf, um das Wort Gottes in der ganzen Menschheit auszubreiten. Wenn Dschihad das innere Streben impliziert, was ist dann mit den Aktivitäten, die dasselbe Wort benutzen, um sich der Gewalt hinzugeben? Seitdem die frühen Moslems hart in Kriegen gegen Angreifer kämpfen mussten, wurden diese Kriege im erweiterten Sinne Dschihad genannt. Das wirkliche Wort für einen solchen Krieg ist auf Arabisch aber "qital", nicht Dschihad. Wenn der Koran sich auf Krieg oder Kampf bezieht, nutzt er das Wort „qital“ und nicht Dschihad. Krieg schließlich ist im Islam nicht das Vorrecht einer einzelnen Person, sondern einer etablierten Regierung.

 

Die meisten Aktivitäten des Islam werden durch bestimmte Bedingungen geregelt. Das
Führen eines Krieges steht so auch unter bestimmten Prinzipien. Der Prophet des Islam
begann mit seiner Mission im Jahre 610. Verschiedene Ereignisse aus der Zeit von Mekka
sind überliefert als Gräueltaten, die dem Propheten und seinen Nachfolgern von den
Gegnern seiner Mission zugefügt worden waren. Aber der Prophet nahm niemals die
Konfrontation in Anspruch. Nach dreizehn Jahren friedlicher Verbreitung der islamischen
Lehre in Mekka wanderte der Prophet nach Medina aus, als seine Gegner planten ihn zu
ermorden. Hier (in Medina) nahmen die meisten der Einwohner den Islam an und ein
Stadtstaat wurde gegründet. Seit die Gegner in Mekka beschlossen hatten, den Islam im
Keim zu ersticken, begannen sie mit bewaffneten Aggressionen gegen die Muslime im Staat von Medina.

 

Es war hier (Medina), dass Verse des Krieges im Koran offenbart wurden und dem Prophet auferlegt wurde, sich aufgrund der Selbstverteidigung mit dem Krieg zu befassen.
Ein wichtiges Prinzip, das von dieser frühen Geschichte des Islam abgeleitet werden kann, ist, dass Krieg nur von einem Staat geführt werden darf, nicht von einem nichtstaatlichen
Aktivisten. Im Islam ist kein Platz für nichtstaatliche Kriegsführung. Ebenso kann Krieg im
Islam allein aus Verteidigungszwecken sein, wenn die Option des Friedens und
Verhandlungen gescheitert sind. Es gibt verschiedene Ereignisse im Leben des Propheten,
die deutlich machen, dass Muhammed immer um die Vermeidung des Konflikts bemüht war. Frieden ist Gottes Wille und sehr heilig. Dschihad ist folglich der
friedliche Kampf für das Erreichen einer edlen Sache.

 

 

Maria Khan hat diesen Vortrag am 9. Januar 2015 im India International Center, New Delhi gehalten. Sie ist Mitglied des Centre for Peace and Spirituality International und PhD-Studentin der Jamia Hamdard Universität.