Zurück zum Koran

Das arabische Wort qur´an (Koran), ein Verbalsubstantiv zu dem Verb qara´a (lesen, rezitieren). Aus der Wurzel q-r-a wird aber auch das Verb qaru´a (sammeln) abgeleitet, da der Koran die „Frucht“ der vorangegangenen Schriften (Thora & Evangelium) und des gesamten Wissens sammelt und in sich vereint.

 

Der Koran möchte alle Menschen zur Wahrheit geleiten und dient in erster Linie vier Zwecken: Er soll die Existenz und Einheit Gottes demonstrieren, das Amt der Prophetenschaft verwurzeln, über das Leben nach dem Tode aufklären, sowie die Anbetung Gottes und die Grundlagen der Gerechtigkeit verkünden. Um diese Themen kreisen die meisten Verse des Korans. Basierend auf diesen vier essenziellen Zwecken enthält der Koran die wichtigsten Prinzipien des Glaubens, Regeln für das Leben der Menschen, detaillierte Information über die Auferstehung und das Jenseits, Anweisungen zur Anbetung Gottes, moralische Standards, offene oder implizierte Erklärungen zu wissenschaftlichen Fakten, Betrachtungen zum Aufstieg und Fall von Zivilisationen, Auszüge aus den Historien vieler Völker der Vergangenheit usw.

 

Daneben ist der Koran eine Heilquelle. Seine Anwendung im Leben vermag fast alle psychischen und sozialen Krankheiten zu heilen. Er ist zugleich Kosmologie, Epistemologie, Ontologie, Soziologie, Psychologie und Gesetz. Er wurde offenbart, um das Leben der Menschen in der Welt zu gestalten, und er ist weder auf eine bestimmte Zeit beschränkt noch richtet er sich an nur ein Volk. Er besitzt für alle Zeiten Gültigkeit und spricht alle Völker gleichermaßen an.

 

Mit Hinzufügungen von erfundenen Bestandteilen wurde die Religion immer wieder stark verfälscht. In der islamischen Literatur nennt man einen der Religion hinzugefügten Bestandteil Bid´at.

 

Im echten Islam sind weder der Prophet noch seine Begriffe und seine Institutionen Erfindungen. Wer dem etwas hinzufügt, was der Koran als Religion definiert, kreiert eine erfundene Religion. Aus welcher Motivation auch immer die Religion durch Neuerungen ergänzt, betreibt Ketzerei. Bid´at ist etwas, das als Teil der Religion propagiert wird, aber nicht in der Religion, die Allah (Gott) offenbart hat, vorhanden ist.

 

In der Aufwertung jener Bräuche, mit denen wir unter der Bezeichnung Sunna konfrontiert sind, zu Bestandteilen der Religion wird der Schaden deutlich, der durch die Kategorie des Bid´at angerichtet worden ist. Dabei rückten die arabish-omaijidischen (Amavi bzw. Emevi) Sitten in den Vordergrund, die man als Quelle der fatalsten unerwünschten Neuerungen bezeichnen kann. 

 

Das schlimmste an solcherlei unerwünschten Neuerungen, die im Islam durch Hinzufügung oder Weglassen vorgenommen werden, ist jedoch die Begründung, sie erfolgten doch nur zu unserem Besten. Diesem scheinbar guten Willen ist es zu verdanken, daß unerwünschte Neuerungen in der Gesellschaft Anklang finden, sich eine Degenerationserscheinung still und leise verbreitet und nicht der Religion zuzurechnende Sitten, Gebräuche und Gewohnheiten in den Stand der Religion erhoben werden.

 

Ein anderes Übel, ja sogar „Grundübel“ ist, daß die Religionen zu politischen Zwecken mißbraucht wurde und wird. Dieses Grundübel gehört zu den grausamsten Kapiteln der Geschichte. Nicht nur, daß unfaßbare Grausamkeiten gegen eine Vielzahl von Menschen begangen wurden/wird, dies hat auch dazu beigetragen, daß zahlreiche achtbare Menschen sich von der Religion abgewandt und gegen Gott und die Religion aufgelehnt haben. Denn sie mußten angesichts derartiger Widersprüchlichkeiten und Frevel zwangsläufig zu dem Schluß gelangen, „wenn dies Religion sein soll, dann will ich damit nichts zu tun haben“.

 

Die größte Bedrückung der Menschheit resultiert seit jeher aus der Verfälschung der Religion zu einer politischen Ideologie und deren Instrumentalisierung zum Betrug der Volksmassen, auch heute noch.

 

Vor ungefähr 100 Jahren bildete sich in der muslimischen Welt eine Bewegung heraus, deren Ziel die Rückkehr zum Koran war, eine Bewegung, die inzwischen bereits auf vielen Höhen und Tiefen zurückblickt, die viele richtige Ansätze verfolgt, aber auch einige falsche. Die Offenbarungen des Koran wurde vom Propheten Muhammed vor 14 Jahrhunderten über einen Zeitraum von 23 Jahren hinweg zu unterschiedlichen Gelegenheiten verkündet. Diese „letzte Version“ des Wortes Gottes, die dem letzten der Propheten als ein Samenkorn eingepflanzt wurde, wuchs heran, trieb Schösslinge und erstarkte (Koran 48:29). Sie brachte Blätter und Blüten hervor und trug in allen Lebensbereichen Früchte. Viele Jahrhunderte lang lebte fast ein Drittel der Menschheit im friedvollen, freudestrahlenden Licht des Korans, bevor dieses Licht von der Vernachlässigung und untreue seiner „Freunde“ und der Feindseligkeit seiner „Feinde“ verdunkelt wurde.

 

Heute aber, nach Jahrhunderten des Leids, verspüren die Muslime überall in der Welt das brennende Bedürfnis nach einer Rückkehr zum Koran. Denn sie fühlen, daß dieses Wort Gottes seit seiner Offenbarung nichts an Frische eingebüßt hat und daß es mit der Zeit immer jünger wird.

 

Der moderne Mensch benötigt dringend ein Heilmittel; denn das Gift, das ihm die materialistischen Strömungen injiziert haben, zeigt bereits Wirkung. Und so ein Heilmittel steht bereit: das Wort Gottes, das nur auf „Ärzte“ wartet, die es den „Kranken“ verabreichen. Von den Bemühungen dieser Ärzte hängt die Zukunft der Menschheit. Wäre der Koran in vollem Umfang richtig verstanden und im Leben praktiziert, dann hätten längst nicht so viele Menschen die Gifte der Neuzeit bereitwillig in sich aufgenommen, als hätte man sie ihnen in goldenen Kelchen präsentiert. So jedoch fanden sich leider nicht nur eine große Zahl von Abnehmern für diese Gifte, sondern auch genügend „angebliche Muslime“ die diese Gifte selbst anstelle des Korans als Heilmittel anpriesen und verschrieben.

 

 

Freiburg, 18.03.2017

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