Sure al-Baqara, Vers 30

Dann sprach dein Herr zu den Engeln: "Ich will auf Erden einen Statthalter setzen." Sie antworteten: "Willst Du einen dort einsetzen, der darauf Unfrieden stiftet und Blut vergießt? Wir aber loben und preisen Dich und rühmen Deine Heiligkeit." Er antwortete: "Ich weiß, was ihr nicht wisst."

(Koran 2:30)

 

Die Erschaffung des ersten Menschen wurde nach den historischen Quellen vor ca. 20000 Jahren vollbracht. Dieser Vers steht nicht im Widerspruch zu den archäologischen Entdeckungen. Der Koran Vers verrät also das Geheimnis der menschlichen Erschaffung, indem Gott den Engeln Seinen diesbezüglichen Beschluss preisgibt und sie sagen: ”Willst Du auf ihr jemanden einsetzen, der auf ihr Unheil anrichtet und Blut vergießt..." Wir wissen von der Glaubenslehre, dass nur Gott allein das Verborgene kennt. Wie können die Engel es wissen, dass der noch nicht erschaffene Mensch "Unheil anrichtet und Blut vergießt". Die Antwort muss lauten, dass die Erde vor Adam von anderen Lebewesen bewohnt war und dass die früheren Erdbewohner vor den Menschen auf Grund ihrer Frevelhaftigkeit durch Anrichten von Unheil und Blutvergießen untergegangen waren, und von denen heutzutage die archäologischen Entdeckungen gemacht werden. Deshalb der Ausdruck anfangs dieses Verses: "Wahrlich, Ich werde auf der Erde einen Nachfolger einsetzen“

 

Der Schöpfer setzte die Engel über sein Vorhaben, dass Er einen Statthalter auf Erden einsetzen werde in Kenntnis. Dies hat vor allem zwei Gründe. Zum einen wollte Er mit dieser Geste den Wert von Beratung und Gedankenaustausch herausstreichen, und zum anderen sollten die Engel erfahren, welche Weisheit in Seinem Ratschluss lag, die Menschen zu Seinen Statthaltern auf Erden zu machen. Die Engel wussten, dass diese Statthalter Unheil anrichten und Verderben stiften würden. Denn vor ihnen hatten bereits die Dschinn, die den Menschen insofern ähnlich sind. als dass auch sie mit freiem Willen, Intellekt, Zorn und Begierden ausgestattet sind, die Erde mit Streit und Blutvergießen überzogen.

 

Die Engel gehören zu den Geschöpfen im Universum, denen ein Dasein gewährt wird, das sich unterscheidet vom Leben aller uns bekannten irdischen Gattungen. Das solche Daseinsformen im Universum existieren, sollte uns nicht weiter verwundern. Und doch war es eine Überraschung für uns, als im Jahr 1993 nahezu 300 zuvor unbekannte Spezies entdeckt wurden. Sie lebten in hydrothermalen Vulkanschloten, die sich gebildet hatten, wo sich Meereswasser, das an ausgedehnten Furchen durch den Grund des Ozeans hindurch sickert, durch das darunter liegende Magma erwärmt und sich dann in den kalten Ozean ergießt. Bis dahin waren die Wissenschaftler davon ausgegangen, dass ein Leben ohne Energie der sonne kaum vorstellbar sei, und es waren nur äußerst wenige Organismen bekannt, die zu überleben vermögen, ohne diese Energiequelle auf direkte oder indirekte Weise anzuzapfen. Vielleicht hilft uns diese "verblüffendste Entdeckung der Biologie des 20. Jahrhunderts" ja anzuerkennen, dass es Leben auch in anderen Formen und unter anderen Bedingungen als denen geben kann, die uns bekannt sind. Hätten die Wissenschaftler dem Koran Gehör geschenkt und den Begriff Leben nicht anhand der ihnen bekannten irdischen Formen definiert, so hätten sie wohl bereits längst anerkannt, dass es unterschiedliche Lebensformen in anderen Teilen und Dimensionen des Universums geben kann, die jeweils diesem bestimmten Teil oder dieser Dimension zu eigen sind. Sie hätten ihre wissenschaftliche Arbeit dann in eine näher an der Wahrheit liegende Richtung lenken können.

 

Engel sind spirituelle Wesen von feinstofflicher Beschaffenheit, hervorgebracht aus "Licht". (Muslim, Zuhd, 10) Unter ihnen gibt es verschiedene Arten oder Spezies, jedoch keine Unterscheidung in männlich oder weiblich (37:149-150; 43:19; 53:27). Da sie Diener Gottes sind und keine Seele haben, die ihnen Böses einflüstert, gehorchen sie den Anweisungen, die ihnen der Ewige Wille und die Schöpferkraft geben, von dem das Universum durchdrungen ist. Nichts könnte Streitigkeiten oder Uneinigkeit zwischen ihnen hervorrufen. Die Sphäre, in der sie sich bewegen, ist unendlich groß, sie besitzen ein reines Wesen, und ihre Aufgabengebiete sind klar definiert. Jeder Himmelskörper ist den Engeln ein Ort des Dienstes an Gott.

 

Die Engel fordern keinen Lohn für ihre Dienste, ihre Belohnung besteht in der spirituellen Nähe zu ihrem Schöpfer. Ihre Art des Dienstes an Gott unterscheidet sich je nach ihren Eigenschaften und Funktionen. Kein Ereignis im Universum findet ohne Mitwirkung der Engel statt. Jedes Geschehen im Universum und jede Gattung auf Erden hat einen Engel, der es bzw. sie repräsentiert. Einige von ihnen, die dem Erzengel Michael untergeordnet sind, tragen die Verantwortung für das Wachstum von Pflanzen und Bäumen. Michael überwacht mit der Genehmigung und Ermächtigung Gottes das Heranwachsen des Korns und anderer Nahrung, und er ist - wenn man es in solche Begriffe fassen möchte - der Oberste aller Engel, die man mit Bauern vergleichen könnte. Ein anderer bedeutender Engel ist, mit der Erlaubnis und Ermächtigung Gottes, der Oberste der "körperlosen Hirten" aller Tiere. All diese Engel betrachten Gottes Wirken voller Staunen und Bewunderung und überbringen Ihm die Lobpreisung und Gebete jeder Spezies der Geschöpfe, so wie sie in der Sprache ihrer natürlichen Veranlagung und Natur dargeboten werden.

 

Wichtige Repräsentanten weiterer Arten oder Gattungen von Engeln sind beispielsweise Gabriel, der den gesandten Gottes die Offenbarung überbrachte, oder Azrail und seine Helfer, die von Gott beauftragt wurden, die Seelen der Menschen hinweg zunehmen, sowie Israfil, der während des endgültigen Untergangs der Welt und der Auferweckung der Toten in die Posaune stoßen wird. Im Koran werden darüber hinaus Engel erwähnt, die die Taten der Menschen niederschreiben, und solche, die eine Vielzahl anderer Aufgaben erfüllen, Aufgaben von gewaltigem, furchteinflößendem Maß (77:1-4; 79:1-5; 82:11).