Ohne Fäuste gegen jene, die uns Schlagen, ohne Schmähungen gegen jene, die uns Beleidigen

Die Gläubigen der drei monotheistischen Religionen haben es nicht leicht miteinander. Gemeinsam schöpfen sie aus dem reichen Requisiten (Grundstock) der göttlichen Schrift(en). Sie bekennen einen einzigen Gott (tavhid), der Himmel und Erde erschaffen hat. In ihrer Geschichte sind sie vielfach aufeinander bezogen und miteinander verflochten. In der östlichen Welt Leben Juden, Christen und Muslime seit Jahrhunderten miteinander in Anerkennung, brüderlich zusammen. In der „christlich“ geprägten westlichen Welt hingegen war die Geschichte jüdisch-christlich-islamischer Beziehungen häufig von Abgrenzung und Feindseligkeit, von Pogromen, Kreuzzügen und Völkermorden begleitet.

 

Natürlich hat es auch an Phasen eines friedlichen Miteinanders nicht gefehlt. Die kulturelle Hochblüte der jüdisch-christlich-islamischen Symbiose in Spanien (Andalusien) des 11./ 12. Jh. etwa hat sich auf unvergessliche Weise in die Geschichte eingeschrieben. Einzelne Persönlichkeiten in der westlichen Welt vermochten schon immer die Gräben religiöser Differenzen zu überbrücken. Jedoch taten/tun sich viele „Gläubige“ Christen nach wie vor schwer damit, in den jeweils anderen auch Bruder und Schwester sehen zu können.

 

Waren es doch im Mittelalter die Juden, die vor den christlichen Gräueltaten Zuflucht bei ihren muslimischen Schutzherren (Osmanisches Reich und Andalusien) suchten, sind es heute die Muslime, die vom christlichen Abendland als Terroristen dämonisiert werden. Der Islam sei eine Terror-Religion.

 

Zu schwer wiegen die Erfahrungen jahrhundertelanger Konflikte durch Vorurteile und Hass. Dabei ist die Verständigung und Anerkennung in unserer zunehmend enger vernetzten Welt dringlicher als je zuvor.

 

Gegenseitige Anerkennung gilt als notwendig für jede Art von Zusammenleben, beispielsweise in der Ehe, in einer Schulklasse oder im Beruf. Wird ein Gruppenmitglied nicht anerkannt, wird es ausgegrenzt und gerät in Gefahr zum Außenseiter zu werden.

 

Toleranz bedeutet: gelten lassen/Gewähren lassen (Duldung) fremder Überzeugungen. Diesen Zustand erleben wir im christlichen Europa, daß aus Unwissenheit, Feindseligkeit und Angst resultiert. Dabei wäre von den (angeblich) „aufgeklärten“ Europäern eine andere Haltung zu erwarten. Diese sogenannte Toleranz hat sich in Europa schon mehrmals in Gewalt gewandelt und Millionen Menschen das Leben genommen. 

 

Evolutionstheoretiker wollen uns klarmachen, daß Angst ein „angeborenes Erbe“ unserer Vorfahren sein soll. Vielmehr könnte man sagen, daß die Angst vor dem fremden, ein Resultat der christlichen Missionierungen (Bekehrungs-Kreuzzüge), Gräueltaten in den Kreuzzügen und Massakern, während der Kolonialisierung ihrer Väter ist. Das schlechte Gewissen erzeugt Angst. Angst vor wem oder was?

 

Die sogenannte „Erbsünde“ ist ein Begriff der christlichen Theologie für einen Unheilzustand, der durch den Sündenfall Adams und Evas herbeigeführt worden sei und an dem seither jeder Mensch als Nachfahre dieser Ureltern teilhabe.

 

In einem Koran Vers heißt es dazu: Und kein Träger von Lasten (bzw. Sünden) wird die Last eines anderen tragen müssen; … selbst wenn es ein naher Verwandter wäre. (35:18)

 

Der Mensch (arab. Însân; der vergessende, der Fehler machende) ist mit allen möglichen Schwachpunkten behaftet. Damit er seine hohe Bestimmung erfüllen könne, wurde ihm jedoch in einem eingeschränkten Maß freier Wille gegeben. Der falsche Gebrauch dieses freien Willens macht seine Natur schwach, voreilig oder … ungeduldig.

 

Ge- und Verbote sind der Menschheit nicht als Bürde (Last bzw. Belastung) auferlegt worden. Sie dienen vielmehr dazu, eine Last zu erleichtern, unter der sie sonst zusammenbrechen würden. Der Bereich des Erlaubten ist so weit gefasst, daß es dem Menschen ermöglicht, ein vollkommenes, menschenwürdiges Leben zu führen und alle erdenklichen Konflikte zwischen seinem Geist und seinen körperlichen Trieben zu umgehen. Jede „Befriedigung“ außerhalb dieses Rahmens, bedeutet eine große Belastung für Herz und Geist des Menschen, die ihm unablässig Qualen bereitet und für Familie und Gesellschaft zu Leid und Unglück führt.

 

Gott will euch (eure Bürde) leichtmachen, denn der Mensch ist (ja) schwach (und für Irrtum anfällig) erschaffen worden. (4:28)

 

Wahrlich jene, die Glauben erlangen und rechtschaffene Taten tun, wird der Allergnädigste mit Liebe versehen. (19:96)

 

 

Freiburg im Breisgau, 21.01.2017

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