Religion gegen Hass

      Wo das Wissen fehlt, sollte zumindest Toleranz sein. Toleranz ist jedoch nur eine Duldung gegenüber anderen Auffassungen, Meinungen und Einstellungen.

Für eine Akzeptanz (annehmen, anerkennen) bedarf es fundiertes Wissen.

Diese uns bekannte Welt, geht durch die Habgier und das Unwissen der Menschen dem „Selbstmord“ der Menschheit entgegen.

Hass, Groll und Neid entstehen aus Unwissenheit und Habgier, die letztendlich zu Konflikten und Kriegen führen.

Dabei ist die Ignoranz genauso gefährlich wie ihre Bosheit.

(Deniz Canli)

 

Kriege und Konflikte, erzeugen weltweite Hungersnöte, Leid und Hass. Die Zersetzung der moralischen Werte sind Probleme, daß, die Menschen beschäftigt und in Sorge versetzt. Der Friede, die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben, Ökologie, Gerechtigkeit, Toleranz und Dialog sind nur einige Beispiele. Obwohl bereits viele versprechende Maßnahmen zur Beseitigung der Probleme eingeleitet wurden, ist zu beobachten, daß diejenigen, die sich in verantwortlichen Positionen befinden, dazu neigen, die Welt immer effektiver zu beherrschen und zu kontrollieren, und auf tödliche Waffen vertrauen. Gleichzeitig tragen die Medien und insbesondere auch das Internet zu einem sich immer weiter beschleunigenden Werteverfall bei.

 

An der Wurzel des Problems stoßen wir auf die materialistische Geisteshaltung, die den Einfluss der Religion auf das gesellschaftliche Leben stark begrenzt. Auf der einen Seite resultiert hieraus ein Ungleichgewicht zwischen Mensch und Natur, anderseits aber auch ein gestörtes Verhältnis zwischen Mann und Frau. Nur wenige Menschen scheinen zu realisieren, daß soziale Harmonie, die Aussöhnung mit der Natur, der Friede zwischen den Menschen und das innere Gleichgewicht des Individuums nur dann verwirklicht werden können, wenn die materielle und die spirituelle Sphäre wieder in Einklang gebracht werden. Eine Aussöhnung mit der Natur und ein herstellen des Friedens und Gerechtigkeit, durch persönliche Integrität sind dann realisierbar, wenn der Einzelne seinen Frieden mit dem Schöpfer (Allah, Gott) schließt.

 

Die Religion dient als Bollwerk gegen die Zerstörungen, die durch die materialistische Geisteshaltung verursacht werden. Sie weist der Wissenschaft einen angemessenen Platz zu und setzt lange schwelenden Konflikten zwischen Nationen und Völkern ein Ende. Leider sind die Naturwissenschaften, die den Mensch ursprünglich zu Gott führen sollten, im Laufe des vergangenen Jahrhunderts zur Quelle eines Unglaubens geworden, wie es in diesem Maße niemals zuvor gegeben hat. Vor allem die westlichen Staaten boten und bieten diesem Unglauben eine Plattform. Das Christentum wiederum ist die Religion, die am meisten von ihm belastet wird. Als Muslim akzeptiere ich alle Propheten und Bücher (Offenbarungen), die verschiedenen Völkern zu verschiedenen Zeiten gesandt worden sind. Diese Anerkennung halte ich gleichzeitig für ein äußerst wichtiges islamisches Prinzip. Wer nicht alle Propheten und Schriften anerkennt, ist kein wahrer Muslim. Die Religionen sind Glaubenssysteme, die alle Völker und Glaubensrichtungen zusammenführen. Alle Religionen befürworten Werte wie Liebe, Respekt, Toleranz, Vergebung, Barmherzigkeit, Menschenrechte, Frieden, Brüderlichkeit und Freiheit.

 

Der Dialog zwischen den Religionen ist heutzutage ein Muss. Darum sollten wir auch die Vergangenheit ruhen lassen, Polemik vermeiden bzw. Ignorieren und uns auf gemeinsame Standpunkte und Wurzeln besinnen. Über 1400 Jahre lang waren Muslime und Juden mit Christen zerstritten. Aus westlicher Perspektive haben die Muslime das Abendland immer wieder bedroht. Doch dieser ständig schwelende Konflikt mit dem Christentum hat auch die Muslime dazu verleitet, nicht mit dem Westen (Christentum) zusammen, sondern gegen ihn zu arbeiten. Dank moderner Transportmittel und neuartiger Massenkommunikationsmittel ist die Welt jedoch in jüngster Zeit zu einem globalen Dorf geworden, in dem alle Beziehungen interaktiv sind, in dem jeder vom anderen abhängig ist.

 

Die Religion hat den Angriff eines Unglaubens keineswegs schon jetzt überstanden. Wer kann uns denn garantieren, daß dieser Sturm in Zukunft nicht noch heftiger wird?

 

Muslime dürfen und sollten nicht geartete Ideologien aus politischen und persönlichen Interessen verfolgen und sie dann in ein islamisches Gewand kleiden. Ebenso wenig dürfen und sollten sie eigene Wünsche als islamische Gedanken verkaufen. Wenn die Muslime dies berücksichtigen, wird sich auch das Islam-Bild der Medien in Zukunft verändern. So, wie es sich heute darstellt, resultiert es vor allem aus einer Instrumentalisierung des Islam für eigene Interessen durch Muslime wie auch Nicht-Muslime.

 

Wer die Welt verändern möchte, muss zunächst sich selbst ändern. Wer anderen Rat geben will, den Weg zu einer besseren Welt zu beschreiten, muss zuallererst seine eigene innere Welt von Hass, Groll und Neid befreien und seine äußere Welt mit Rechtschaffenheit schmücken.

 

Neuenburg am Rhein, 01.02.2017

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