Terrorismus und Islam

Terrorismus ist kein neues Phänomen. Er existiert seit Jahren in unterschiedlichsten Formen und betrifft unterschiedlichste Länder. Heutzutage wird von den Medien Terrorismus oftmals mit einem „militanten Islam“ in Verbindung gebracht.  Der ständige Druck, sich wegen des Glaubens rechtfertigen zu müssen, bringt einige Gläubige dazu, den Islam nach säkularen Maßstäben zu messen. Andere fühlen sich durch die ständigen Anschuldigungen und Unterstellungen so frustriert, dass sie es zulassen, dass ihre islamischen Prinzipien ins Wanken geraten. Für diese Probleme gibt es eine Lösung: den Islam richtig verstehen und ihm ohne Vorurteile begegnen. 

 

1. Was ist Terrorismus?

Chambers Englisch-Wörterbuch definiert “Terrorismus” als den systematischen Gebrauch von Gewalt und Bedrohungen zur Erreichung bestimmter Ziele. Die Bezeichnung „Terrorist“ ist niemals wertungsfrei, denn was für den einen ein Terrorist ist, kann für jemand anderen ein „Freiheitskämpfer“ sein. Beispielsweise gilt die IRA in Großbritannien als Terrororganisation; für irisch stämmige US-Amerikaner ist sie aber eine Widerstandsgruppe. Für die deutschen Besatzer galten die Aktionen der französischen Resistance als terroristische Angriffe, aber die Resistance wurde von den Alliierten unterstützt. Saddam Hussain hat jahrelang einen blutigen Konflikt mit dem Iran geführt, wurde aber erst wegen seiner Invasion in das ölreiche Land Kuwait als Terrorist bezeichnet. Die USA unterstützten zunächst die afghanischen Mujahedin und dann die Taliban. Später bezeichneten sie ihre ehemaligen Verbündeten als Terroristen und bekämpften sie.

 

Wenn heutzutage eine Regierung eine nationale Minderheit terrorisiert, ihr die Menschenrechte verweigert oder an ihr einen Genozid verübt (beispielsweise der Genozid an den Bosniern durch die jugoslawische Armee), wird dies erstaunlicherweise nicht als Terrorismus bezeichnet. Bekämpft aber eine Minderheit eine Besatzungsmacht, wie beispielsweise in Palästina, wird von Terrorismus gesprochen. Wenn wir die Gründe für Terrorismus verstehen wollen und wenn wir Terrorismus stoppen wollen, müssen wir aufhören, das Wort „Terror“ dermaßen selektiv zu verwenden. 
 

In der Praxis wird der Begriff „Terrorismus“ oder "Islamismus" selten wertungsfrei gebraucht; er dient meist der Bewertung von Menschen.

 

 

2. Wie beurteilt der Islam Terrorismus?

Aus der Perspektive des Islam ist Terrorismus das Ermorden und Terrorisieren von Unschuldigen. Als solches ist Terrorismus kategorisch verboten, denn dies ist das genaue Gegenteil des Islam. Das Wort Islam kommt vom arabischen Wort Wurzel "s-l-m", das unter anderem Frieden bedeutet. Der Islam ist die einzige Religion der Welt, das die Bedeutung Frieden in ihrem Namen trägt.  Ein Muslim kann somit als eine Person verstanden werden, die Frieden stiftet. Welche Bedeutung Frieden im Islam hat wird u.a. daran deutlich, dass sich überall auf der Welt Muslime mit den Worten Selam aleikum (der Frieden sei mit dir) grüßen. Die Ähnlichkeit zwischen den Wörtern Islam und Selam ist bemerkenswert ("Selam" kommt ebenfalls von der Wortwurzel "s-l-m").
 
Der gesegnete Prophet, Frieden sei mit ihm, sagte: „Im Namen desjenigen, in dessen Hand meine Seele liegt: Ihr werdet niemals den Himmel betreten, bevor ihr glaubt und ihr werdet nicht eher glauben, bis ihr einander liebt. Soll ich euch sagen, was euch dazu bringt, einander zu lieben? Spendet Frieden (Selam) unter euch.“ (ein authentischer Ausspruch, festgehalten auf Arabisch in der  Sammlung Muslim)
 
Egal unter welchen Umständen es geschieht – das Töten einer unschuldigen Person wird vom Islam sehr ernst genommen. Mord kann im Islamischen Rechtssystem (Shariah) mit dem Tode bestraft werden (ein Verfahren vor einem entsprechenden Gericht vorausgesetzt), denn ein Menschenleben ist absolut heilig – es ist ein Geschenk Gottes – und niemand außer Gott hat das Recht, ein Leben zu nehmen.

 

“(;) wenn jemand einen Menschen tötet, ohne dass dieser  einen Mord begangen hätte, oder ohne dass ein Unheil im Lande geschehen wäre, soll es so sein, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, soll es so sein, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten (;)“

Sure 5, Vers 32

 

 

3. Was bedeutet Jihad?

Jihad ist ein arabisches Wort und bedeutet Anstrengung.  Islamisch gesehen meint dieses Wort alle Arten von Anstrengung und Streben das Gute zu gebieten und das Schlechte zu bekämpfen. Ziel dabei ist es, Gottes Segen zu erlangen. Dazu muss man wissen, welche Dinge Gott liebt und welche er ablehnt. Ziel und Zweck des Jihads ist Gerechtigkeit. Jeder, der versucht, Ungerechtigkeit in einer Gesellschaft zu beseitigen, der gute Kontakte zu seinen Nachbarn pflegt, der sich gegen Drogenkonsum engagiert, der sich um Obdachlose kümmert oder auch einfach nur Müll von der Straße aufsammelt, kann sich im Zustand des Jihad befinden. Das gilt auch, wenn jemand mit sich selbst kämpft, wenn er gegen seine eigenen schlechten Seiten oder Verlangen angeht. Gegen Hass oder Eifersucht oder Stolz anzugehen, ist ebenfalls Jihad. Der wahre Jihad setzt daher Charaktereigenschaften wie Ehrlichkeit, Integrität und Mut voraus. 
 
Der gesegnete Prophet lehrte: „Der beste Jihad ist, ein Wort der Wahrheit gegen einen tyrannischen Herrscher zu sprechen.“ (ein authentischer Ausspruch, festgehalten auf Arabisch in der Sammlung Abu Dawud)
 
Jihad kann durch Schreiben, Sprechen oder Partei ergreifen ausgetragen werden. Jihad kann auch eine Einladung von Menschen zum Islam sein, indem man den Koran (die islamische Schrift) verwendet oder indem man die islamische Lebensweise vorlebt.

 

 

4. Kann Jihad auch eine bewaffnete Auseinandersetzung sein?

Ja. Weil Jihad alle Formen des Strebens für das Wohl der Welt meint, erkennt der Islam an, dass Gerechtigkeit manchmal auch eine körperliche oder sogar bewaffnete Auseinandersetzung braucht, wenn dies absolut notwendig ist. Anders als weitläufig angenommen, ist Kampf nicht die Regel des Jihads, sondern dessen Ausnahme. Dreizehn lange Jahre hat der Prophet Jihad geführt, ohne dabei auch nur einmal körperlich zu kämpfen.  Später, als Zivilisten von Armeen angegriffen und ausgeplündert wurden, gab es für die muslimische Gemeinschaft keine andere Möglichkeit mehr, als sich körperlich zu verteidigen.

 

 

Jihad steht für alle Formen des Strebens für das Wohl unserer Welt 

 

 

Die Erlaubnis (sich zu verteidigen) ist denen gegeben, die   bekämpft werden, weil ihnen Unrecht geschah – und Gott hat wahrlich die Macht, ihnen zu helfen – jenen, die schuldlos aus ihren Häusern vertrieben wurden, nur weil sie sagten: ‚Unser Herr ist Gott‘. Und wenn Gott nicht die einen Menschen durch die anderen zurückgehalten hätte, so wären gewiss Klausen, Kirchen, Synagogen und Moscheen, in denen der Name Gottes des Öfteren genannt wird, niedergerissen worden.“ Sure 22, Verse 39 und 40
 
Der Prophet verstand die Verse des Korans besser als alle anderen. Seinem Beispiel können wir entnehmen, dass ein bewaffneter Kampf nur dann geführt werden darf, wenn es keine andere Alternative gibt und dass er nur eingesetzt werden darf, wenn Gerechtigkeit geschaffen werden soll. Dies war die Sunna des Propheten, es war sein Weg. 
 
In der Zeit nach dem Propheten wurde nur dann bewaffnet gekämpft, wenn muslimisches Land angegriffen wurde oder wenn ein Herrscher es verbot, dass die Lehre des Islam seinem Volk vorgetragen werden durfte. Jeder dieser Kämpfe war strategisch und durch genaue Regeln beschränkt und das in einer Zeit, die bis dahin kein Kriegsrecht kannte. In Indonesien (das bevölkerungsreichste islamische Land der Welt) und Malaysia hat sich der Islam völlig friedlich verbreitet. Das vorbildliche Verhalten der dortigen muslimischen Händler hat dazu beigetragen.
 
Wie die meisten Zivilisationen verbietet der Islam nicht Gewalt als letzte Möglichkeit zur Wahrung des Friedens oder zur Durchsetzung von lauteren Zielen. Jedes Land der Welt hat eine Armee. Warum? Um den Frieden zu sichern und sein Volk zu schützen. Das gilt auch für den Islam. Er sieht Gewalt als letzte Möglichkeit an und beschränkt sie durch feste Regeln, die im Göttlichen Gesetz festgelegt sind.  

 

Prophet Mohammed legte genaue Regeln für kriegerische Auseinandersetzungen fest. Muslime dürfen keine Verträge brechen. Sie dürfen keine Leichenschändungen begehen. Sie dürfen keine Frauen töten. Sie dürfen keine Kinder töten. Sie dürfen keine alten, hilfelosen Menschen töten. Sie dürfen keine unbewaffneten Menschen töten. Sie dürfen keine Priester oder Rabbis töten. Sie dürfen keine Bäume fällen. Sie dürfen keine Ernten vernichten. Sie dürfen keine Brunnen vergiften (kein Gebrauch chemischer Waffen). Diese vielen Regeln formten bereits damals etwas, was wir heute Internationales (Kriegs)Recht nennen.

 

Der bewaffnete Kampf gegen die Besetzung des eigenen Landes ist ebenfalls eine Form des Jihads. Jihad schützt hier das eigene Heim und Land, die eigenen Gesetze und Rechte. Ein Beispiel dafür ist der Kampf der palästinensischen Bevölkerung gegen die Zionisten, die ihre brutale Besetzung in den 1940er Jahren begannen. Aber sogar diese Art von Kämpfen für die eigene Heimat unterliegt den oben genannten Prinzipien. 
 
Und kämpft auf dem Weg Allahs gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen, doch übertretet nicht. Wahrlich, Allah liebt nicht diejenigen, die übertreten.“ Sure 2, Vers 190

 

 

5. Erlaubt der Islam „Selbstmordattentate“?

Nein. Im Islam ist Selbstmord verboten, egal in welcher Form. Wie im Christentum ist Selbstmord eine der großen Sünden. Eine Person, die sich durch Selbstmord töten will - ob durch ein Selbstmordattentat oder durch das Springen von einem Dach - verletzt das islamische Gebot, das besagt, dass jeder der Hüter seines eigenen Lebens sein soll. Muslime glauben, dass Leben wertvoll ist und dass sich jede Schwierigkeit durch Glauben, Liebe und Wille überwinden lässt. Schwierigkeiten sind Teil der Prüfungen des Lebens. Deshalb kommt Selbstmord für Muslime nicht in Frage, selbst nicht für diejenigen, die an Kämpfen gegen die Unterdrücker beteiligt sind. Selbst muslimische Kämpfer, die gegen eine große Überzahl von Gegnern kämpfen, müssen die Chance haben, von der Schlacht lebend zurück zu kehren. 

 

Diese Prinzipien sind im Kern identisch mit dem Verhalten einiger Mutiger während des Zweiten Weltkriegs, die in die Schlacht gestürmt sind, um so viele Feinde wie möglich zu töten, bevor sie selbst getötet werden konnten. Solche Personen werden als Helden oder Märtyrer bezeichnet, die ihr Leben für Volk und Vaterland geopfert haben. Jedes Volk hat seine Helden, die ihr Leben für höhere Ziele geopfert haben und es wird moralisch hoch angesehen, sein Leben zu opfern, um Menschenleben zu retten. Dies gilt nicht nur in Zeiten des Krieges. Jeden Tag riskieren beispielsweise Polizisten oder Feuerwehrleute ihr Leben, um andere Menschen zu beschützen. In Zeiten von Bedrohung riskieren auch Soldaten ihr Leben, damit wir alle in Frieden schlafen können. In diesem Kontext wird im Islam von Shaheed (Märtyrer) gesprochen. 
 

 

6. Würde jemand ins Paradies kommen, der unschuldige Zivilisten tötet und dies für richtig hält?

Es gab schon immer Menschen, die gegen die Menschenrechte und humane Werte verstoßen, auch heute gibt es sie. Hitler und viele Deutsche hielten die weiße Rasse für überlegen und verübten einen grausamen Völkermord. David Koreshs so genannte Davidianer begangen auf seine Anweisung hin Massen-Selbstmord, denn sie glaubten, dass er der Messias ist. Die islamische Gemeinschaft ist hier nicht anders, auch sie hat ihre fehlgeleiteten Menschen. Nichtsdestotrotz ist es ein muslimisches Gebot, Fehlleitungen zu korrigieren und aufzuklären. Muslime glauben genau wie Christen an den Tag des Jüngsten Gerichts, an dem jeder vor Gott stehen wird. Jeder Mensch wird nach seinem Glauben befragt und er wird Rechenschaft für seine Taten ablegen. Ohne dieses Gericht gelangt niemand ins Paradies oder in die Hölle. Gott ist Der Richter, Der Barmherzige, Der Herr des Jüngsten Gerichts. Gute Absichten machen aus schlechten Taten keine guten; auch dafür wird man gerichtet werden. An diesem Tag wird absolute, Göttliche Gerechtigkeit herrschen; jedes Wesen wird für das Geringste seiner Vergehen zur Rechenschaft gezogen werden. Der Mörder wird sich höchstwahrscheinlich vor Gott rechtfertigen müssen. Aber diese Entscheidung obliegt Gott. Wir Menschen können nicht definitiv sagen, welcher Mensch ins Paradies oder auch in die Hölle kommen wird. Wir können nur das sagen, was islamische Gelehrte schon immer sagten: „Gott weiß es am besten.“ Gott ist Der Allwissende, Der Gerechteste, Der Weiseste und am Tag des Jüngsten Gerichts wird weder Opfern noch Tätern das Mindeste an Unrecht geschehen.

 

 

7. Ist es nicht in jedem Krieg unvermeidlich, dass unschuldige Menschen getötet werden?

Für Muslime gilt das absolute Gebot, unschuldiges Leben zu schützen. Es ist wahr, dass immer wieder Unschuldige in Kriegen getötet werden, aber das darf nicht Zweck des Kampfes sein. Die Regeln der Kriegsführung sind sehr streng und unmissverständlich. Viele islamische Rechtsschulen haben den Gebrauch nuklearer Waffen verboten, denn diese treffen sowohl feindliche Soldaten als auch Zivilisten. Jemand, der in einem Krieg auch nur eine einzige unschuldige Person tötet, macht sich des Mordes schuldig, was im Islam eine der größten Sünden ist.  Jeder Muslim – auch der Soldat im Krieg – hat für sein Verhalten Rechenschaft abzulegen. Am Tag des Jüngsten Gerichts werden wir über jedes unserer Worte befragt werden – wie wird dann die Befragung aussehen, wenn wir ein Leben genommen haben?
 
„Immer wenn der Prophet Gottes eine Streitmacht anführte,  wies er seine Krieger an, Gott zu gedenken.“  (ein authentischer Ausspruch, festgehalten auf Arabisch in der Sammlung Muslim)

 

 

8. Erlaubt der Islam einen Angriff, wenn dabei nur "nicht-Muslime" sterben würden?

Nein. So eine Meinung ist widerlich und gefährlich, denn alle Menschen wurden von Gott erschaffen. Gott hat uns allen das Leben gegeben und somit hat auch nur Er das Recht, es wieder zu nehmen. Alle Menschen stammen von Adam ab. Im Islam ist ein Leben ein Leben – es werden hier keine Unterschiede nach Religion oder Rasse gemacht.

 

 

9. Gibt es überhaupt Unschuldige im Westen? Sicherlich hassen sie alle den Islam?!

Extremistische Einstellungen basieren auf stereotype Menschenbilder. Dies führt zu Vorurteilen, die wiederum zu Hass führen. Genauso wenig wie Muslime anhand von  Stereotypen definiert werden möchten, sollten sie sich selbst von stereotypen Beurteilungen anderer fern halten. Es ist absolut falsch, Menschen für die verfehlte Politik ihrer Regierungen verantwortlich zu machen. Im Westen gibt es Millionen von Nicht-Muslimen, die wollen, dass Gerechtigkeit herrscht, die genug haben von den Entscheidungen ihrer Regierungen und die für Wahrheit und Aufklärung sind. Aber eine gewaltige Mehrheit von Menschen ist nicht darüber informiert, was wirklich passiert.

Wir müssen dabei bedenken, dass die Einstellung vieler Menschen durch jahrelange islamophobische Medienberichtserstattungen und Politik geprägt ist. Wenn es Menschen gibt, die den Islam hassen, dann haben wir Muslime die Pflicht, ihnen die Schönheit des Islams vorzuleben. Umar al Khattab und Khalid bin Walid, möge Gott mit ihnen zufrieden sein, sind nur zwei Beispiele für Menschen, die zu Zeiten des Propheten gelebt haben und die Muslime hassten. Sie bekämpften sogar den Islam. Aber als sie den Islam im wahren Licht sahen und ihn annahmen, wurden sie meisterhafte Gelehrte dieser Religion.
 

 

10. Sollten Muslime nicht froh sein, dass „der Westen“ angegriffen wird, wo doch der Westen seit Jahren überall auf der Welt unschuldige Menschen tötet?

Nein. Der Mord an unschuldigen Menschen kann durch nichts gerechtfertigt werden. Keine islamische Rechtsschule hat es in den vergangenen 1400 Jahren erlaubt, Unschuldige absichtlich anzugreifen. Der Koran weist uns an, dass wir uns für Gerechtigkeit einsetzen sollen, auch dann, wenn wir uns dabei gegen unsere eigenen Familien stellen müssten. Extremer Hass oder auch extreme Liebe darf niemals unsere Urteilsfähigkeit beeinflussen. 
 

Oh ihr, die ihr glaubt! Setzt euch für Allah ein und seid Zeugen der Gerechtigkeit. Und der Hass gegen eine Gruppe soll euch nicht (dazu) verleiten, anders als gerecht zu handeln. Seid gerecht, das ist der Gottesfurcht näher. Und fürchtet Allah! Wahrlich, Allah ist eures Tun kundig.“  Sure 5, Vers 8

 

 

11. Viele westliche Staaten behaupten, sie würden versuchen Frieden, Gerechtigkeit und Demokratie zu schaffen um den Terrorismus abschaffen zu wollen. Sollten Muslime dies nicht unterstützen?

Nicht unbedingt. Taten sprechen lauter als Worte. Die bittere Wahrheit ist, dass die meisten westlichen Regierungen kein wirkliches Interesse an Demokratie, Freiheit oder Gerechtigkeit haben. Sie tarnen ihre eigenen strategischen Ziele als Kampf gegen den Terrorismus. Man kann natürlich weiterhin die Symptome behandeln, aber wenn man wirklich Terrorismus bekämpfen will, muss man bei den Ursachen anfangen: die Doppelmoral der Außenpolitik, die ungerechte Aufteilung der Ressourcen der Erde, die absichtliche Unterdrückung anderer Völker oder deren Kulturen. Beurteilt man die meisten westlichen Regierungen nach ihren Taten, würden diese selber als Terroristen bezeichnet werden müssen:

 

 - der Atomangriff der USA auf Hiroshima – 61.443 Menschen wurden getötet (darunter 20.000 Kinder),          

 - Nagasaki mit 23.753 Toten,
- die Bombardierung Dresdens durch die Briten – 25.000 Tote,
- die französischen Massaker in Algerien – unglaubliche 1,5 Millionen Tote,
- die US-amerikanischen Napalm-Angriffe auf vietnamesische Dörfer und Wälder,
- die Ausbeutung Afghanistans durch die Russen – 1,5  Millionen Tote,
 - die Verletzung des Luftraums und die Bombardierung Libyens durch die USA,
- die Bombardierung einer pharmazeutischen Fabrik im Sudan durch die USA, in deren Folge viele Menschen durch   den Mangel an Medikamenten starben, 
- die Invasion Russlands in Tschetschenien – 70.000 Tote,
- die Unterstützung der Militärregierungen in Algerien und El Salvador durch den Westen, die den Demo-    kratisierungsprozess in beiden Ländern verhindert hat,
- die Zerstörungen der irakischen Infrastruktur durch den Westen (1991), gefolgt von Sanktionen: das hat 500.000 Kindern das Leben gekostet und wurde durch die UN gebilligt; dann der erneute Angriff des Iraks durch die USA,

diesmal ohne das Einverständnis der internationalen Gemeinschaft, 
- die Unterstützung der zionistischen Israelis durch den Westen (besonders durch die USA),
- die Unterstützung von Diktaturen und die Aufnahme von flüchtigen Diktatoren, besonders in der muslimischen Welt.

 

Was ist schlimmer: eine terroristische Vereinigung einiger Individuen oder ein Staat, der die Ermordung tausender Zivilisten durch seine verfehlte Außenpolitik und durch Waffenlieferungen unterstützt? Ja, als Muslime müssen wir es unterstützen, wenn sich Völker gegen Diktaturen befreien wollen. Ja, wir sollten geeignete Maßnahmen gegen Terrorismus unterstützen. Aber wir sollten nicht die tagtägliche Doppelmoral der Regierungen mittragen.

 

 

12. Sollten islamische Länder nicht Terroristen verhaften?

Viele islamische Länder werden heutzutage von Despoten regiert, die ihre Macht durch Folter, Verhaftungen und das Ermorden ihrer Bevölkerung aufrecht erhalten. Sie haben durch zahlreiche Gesetze freie Wahlen verboten, sie verbieten Oppositionen, sie foltern und ermorden Oppositionelle. Unglücklicherweise werden fast alle diese Despoten von westlichen Regierungen unterstützt. Diese muslimischen Herrscher und deren westliche Unterstützer

können selbst als Terroristen bezeichnet werden. So wird klar, dass sie garantiert nicht die Richtigen für die Bekämpfung des Terrorismus sind.

 

 

13.  Wenn unser nicht-islamisches Land  einen islamischen Staat angreift: Was sollten die hier lebenden Muslime tun?

Die Angriffe und die wirtschaftlichen Sanktionen der USA und Großbritanniens gegen den Irak in den 1980er- und 1990erJahren haben eines gezeigt: sie waren nicht das geeignete Mittel um den skrupellosen (und anti-islamische) Diktator Saddam Hussain zu vertreiben. Die Maßnahmen trafen nur die unschuldige Bevölkerung. Nach Angaben der UN starben jeden Monat 10.000 Kinder, insgesamt über eine halbe Million. Westliche Staaten müssen lernen, dass sie ihre Konflikte nicht auf dem Rücken anderer austragen können. Dies erzeugt nur noch mehr Leid, was die Menschen in den betroffenen Staaten nur noch anfälliger für extremistische Gruppen macht. Vielmehr müssen westliche Staaten ihre auswärtige Politik verändern und ihre Doppelmoral ablegen.

 

Angriffe auf andere Länder dürfen von Muslime nicht gebilligt werden, denn diese lösen nicht die Probleme, im Gegenteil: früher oder später verursachen sie nur noch mehr Gewalt. Stattdessen müssen wir unsere demokratischen Rechte und Möglichkeiten nutzen, um darüber aufzuklären, dass Gewalt Gegengewalt erzeugt.  Muslime werden nicht unterdrückt und haben – im Einklang mit dem Islam – die Gesetze des Landes anerkannt, indem sie sich integriert haben und somit Mitglieder der Gesellschaft wurden. Dies bedeutet nicht, dass wir alles blind akzeptieren müssen.

 

Das bedeutet, dass der Islam seine Gläubigen anweist, sich an die weltliche Gesetze zu halten. Diese abzulehnen wäre unfair und sogar unwürdig für uns, denn im Gegenzug garantiert uns der Staat zivile Rechte und Schutz. Die von uns wahrgenommenen Ungerechtigkeiten existieren, aber sie entsprechen nicht der staatlichen Politik. Vielmehr arbeitet der Staat in vielen Institutionen daran, Diskriminierungen abzubauen. Dies bedeutet, dass wir unsererseits Verantwortung als Staatsbürger übernehmen müssen – wir haben uns von bewaffneten Angriffen in diesem Land deutlich zu distanzieren. Wir müssen den Menschen den wahren Islam zeigen.

 

Der gesegnete Prophet zeigte uns, wie der Islam richtig verstanden und gelebt werden kann. Der gesegnete Prophet  zeichnete sich u.a. für seine Liebe für andere aus. Er war warmherzig und freundlich, auch in Zeiten von Gefahr. Er war heiter und lächelte gerne. Er zeigte sich geduldig, auch wenn er beleidigt wurde und man ihn anspuckte. Mit solchen Eigenschaften lassen sich die Herzen der Menschen gewinnen.

 

 

14. Was kann ich als Einzelperson tun?

Gott ist unser einziger Beschützer. Betet für die Leidenden überall auf der Welt und verlasst nicht Gottes Weg.  Passt auf euch und eure Familien auf. Die meisten Menschen in diesem Land wissen, dass der Islam Terrorismus ablehnt, aber es gibt eine kleine Minderheit, die Muslime ablehnen oder verbal oder körperlich angreifen. Seit vorsichtig und schützt euch. Meldet Vergehen gegen euch oder gegen eure Gemeinden der Polizei.  Werdet aktiv. Sprecht mit euren Nachbarn, Kollegen und Freunden über die momentane Situation. Erklärt, wie der Islam wirklich zu Terrorismus steht und tut dies auf eine schöne Art und Weise.

 

Engagiert euch in Vereinen und Organisationen. Manchmal sehnen wir uns nach schnellen Lösungen, das ist menschlich; aber es gibt sie nicht. Als Muslime glauben wir, dass Gott für die endgültige Gerechtigkeit sorgen wird, wenn wir dem Koran und der Sunnah des Gesandten Gottes folgen. Informiert euch darum genau über eure Religion. Schreibt an Fernsehsender oder Zeitungen, wenn falsch über den Islam berichtet wird. Bleibt dabei freundlich und sachlich.

 

Wir können eine Menge tun. Es gibt viel zu lernen und viel aufzuklären. Wir müssen die Schönheit des Islam mit der Öffentlichkeit teilen.

 

Helft uns, die falschen Mythen über den Islam zu widerlegen.

 

 

 

Quelle: Islamic Society of Britain & The Young Muslims UK