Fundamentale Degenerationserscheinungen

Aberglaube: Den Unsinn zur Religion machen


Der Aberglaube als eine Erscheinungsform der Dummheit, der Mutter allen Übels, ist die heimtückische, giftige Basissubstanz für Degenerationserscheinungen im Islam. Über Jahrhunderte hinweg ist es niemandem gelungen, diesen Virus unschädlich zu machen, der wie eine ansteckende Krankheit ganze Volksmassen befällt und in Verwirrung versetzt. Der Aberglaube hat seine ältesten Wurzeln im Judentum. Auch im Christentum wurzelt er tief. Die jüdisch-christliche Tradition ist in gewisser Hinsicht eine Tradition des Aberglaubens. Vom bösen Blick bis zum Amulett, von der Wahrsagerei zur Geisterbeschwörung, vom Zählen der Engelsschwingen bis zur Teufelsaustreibung, hat sie allen nur denkbaren Aberglauben hervorgebracht.

 

Der muslimische Kulturkreis übernahm abergläubische Vorstellungen (in der türkischsprachigen islamischen Literatur werden diese unter dem Begriff "Israiliyât" zusammengefasst) zunächst aus dem Judentum, später wurden christliche, sassanidische, indische, hellenistische Vorstellungen adaptiert, diese schließlich mit türkisch-schamanistischen Elementen angereichert und zu etwas vermengt, das einem Ozean des Aberglaubens gleicht. Frei erfundene Hadithe wirken verheerend und bilden das Rückgrat des Aberglaubens. Sie instrumentalisieren den Propheten. Ein großer Teil dessen, was unter dem Namen Hadith und im Namen des Islams als anerkannter Glaubenssatz inszeniert wird, speist mittel- oder unmittelbar den Aberglauben. Diese Glaubenssätze konstituieren einen konkurrierenden Glauben zur koranischen Religion und stürzen die Muslime vor den Augen der Weltöffentlichkeit in unfassbare Schwierigkeiten und Erklärungsnöte. Diese Entwicklung brachte zudem die Unsitte der Ordensbruderschaften hervor, die eine Brücke zur Politik und zur Unwissenheit bilden.

Was ist Aberglaube, und was bedeutet Okkultismus? Aberglaube, im Türkischen Hurafe, ist ein Wort arabischen Ursprungs und bedeutet »das irreführende, zugleich aber attraktive Wort, das dem Verstand und der Realität widerspricht«. I ˙bn Manzûr (gestorben 711 H. / 1311 n. Chr.), ein Meister der arabischen Sprache, hat den Aberglauben als die »süße Variante der Lüge« bezeichnet (Lisânü’lArab, Art. H.R.F.). Trotz aller inneren Widersprüchlichkeiten hat also der Aberglaube für jenen, der ihm sein Ohr schenkt, etwas Anziehendes. Der Aberglaube lebt von der dem Menschen eigenen unfassbaren Torheit, sich trostsuchend vom süßen Worte betrügen zu lassen. Unter Aberglaube, englisch superstition, abgeleitet vom lateinischen superstitiô, versteht man im Westen gemeinhin alogische, unfundierte, sinnlose, irreführende, magische Glaubensvorstellungen und Gebräuche. Dieser Ausdruck bezeichnet zugleich die irrationalen Vorstellungen, die aus den Sitten und Gebräuchen der Vorfahren abgeleitet werden (vgl. auch Webster’s International Dictionary).

 

Dem berühmten französischen Wörterbuch Larousse zufolge stellen unautorisierte, widersinnige Zwänge ein grundlegendes Element des Aberglaubens dar. Dieser Begriff umfasst also auch den überlieferten Volksglauben der Vorfahren. Die Übertragung althergebrachter Riten in eine neue Religion ist ein wichtiger Bestandteil des Aberglaubens. An dieser Stelle sei an rund 50 Koranverse erinnert, die es als heidnisches Tun brandmarken, altväterliche Glaubensvorstellungen als unantastbar darzustellen. Es ist schwer, eine allseits befriedigende wissenschaftliche Definition des Aberglaubens zu geben. Denn er gehört zu den Begriffen, die uns in vielen Erscheinungsformen begegnen. Er kann in ganz unterschiedlichen Ausprägungen erscheinen, je nach Zeitalter, Gesellschaft, Hautfarbe oder Rasse, abweichend sogar von Person zu Person. Immer liegt ihm ein Gerüst aus Wissenschaftsfeindlichkeit, Unvernunft und dem Entbehren jeglicher Logik zugrunde. Die Ausübung abergläubischer Riten – soviel scheint klar – ist eine der unveränderlichen Schwächen des Wesens, das man Mensch nennt. Im Koran kommt das arabische Wort Khurâfa für Aberglaube nicht vor. Allerdings enthält der Koran Begriffe, die die gleiche und eine ähnliche Bedeutung haben. 

 

Der Terminus »erdichtete Berichte« erscheint im letzten Vers der zwölften Koransure und wird gebraucht, um deutlich zu machen, daß der Koran frei davon ist. Dieser Vers lehrt, daß der Koran frei von erfundenen Erzählungen ist, und er ist zugleich eine Warnung vor den Verheerungen, die in der koranischen Religion vom Aberglauben ausgehen könnten, wenn Überlieferungen erdichtet werden. In etwa 50 Versen lehrt der Koran, daß die Verehrung der Gebräuche der Vorfahren Ausdruck von Vielgötterei ist und eine der Quellen für den Aberglauben darstellt. Praktizierter Aberglaube ist ein Auswuchs von Ungelehrtheit und Unbelesenheit, die den Menschen zum Gefangenen der Gebeine seiner Ahnen werden lässt, indem er ihn abstumpft und blind macht. Der Koran klärt uns darüber auf, daß die Lösung des Problems nicht mit irrigen, unsinnigen Riten und Behauptungen, sondern mit Hilfe des Buches, des Wissens und des Handelns zu erlangen sein wird (vgl.Sure4,Vers123). Die Verführungskraft des Teufels beruht auf abergläubischen Handlungen, die nichts sind als Gespinste und irrige Behauptungen. Mit seinen Versprechungen verführt der Teufel die Menschen, Worte auszusprechen, deren Bedeutung sie selbst nicht kennen.

 

Er bringt die Menschen dazu, an nicht existente Dinge zu glauben, und sorgt so dafür, daß sie sich ihm verschreiben (vgl. Sure 4, Vers 120). Übrigens hat der Teufel Gott gegenüber offen bekundet, daß er die Menschen durch Aberglauben, Fabelgeschichten und jeglichen Sinn entbehrende Worthülsen an sich bindet: »Und sie in die Irre führen und sie lüstern machen und ihnen befehlen, daß sie den Tieren die Ohren aufschlitzen, und ihnen befehlen, die Schöpfung Allahs zu verändern.« (vgl. Sure 4, Vers 119). Nicht abergläubische Floskeln, von Geistlichen ersonnen, um sich in den Vordergrund zu spielen, sondern nur selbst vollbrachte gute Taten werden dem Menschen den Weg ins Paradies bereiten (vgl. Sure 2, Vers 111). Auch sind es die abergläubischen Praktiken, die den Menschen in die Irre führen und in tausenderlei Unheil stürzen. Der Aberglaube trügt den Menschen und bereitet ihm seinen Untergang – und belässt ihn obendrein in dem Glauben, er diene Gott, nur Ihm. Das Bedrückendste daran ist, daß der Mensch um Allah betrogen wird. Der Koran betont diesen Betrug ausdrücklich (vgl. Sure 35, Vers 5 sowie Sure 57 Vers 14). Ich versuche »Aberglaube« im Licht der bis hierhin angeführten Informationen und in Auslegung des Korans wie folgt einzugrenzen: Aberglaube ist der Oberbegriff für alle Denk- und Herangehensweisen, Thesen, Praktiken und Haltungen, die den Naturgesetzen, der Wissenschaft, der Vernunft und der göttlichen Offenbarung widersprechen und die überwiegend auf von den Vorvätern übernommene Gebräuche zurückgehen.

 

Quelle: Der verfälschte Islam, Prof. Dr. Yasar Nuri Öztürk