These 9: Feindbild Islam (Zehn Thesen gegen Hass)

These 9: Die Muslime müssen sich wie ihr Prophet Mohammed für einen Islam des Forschritts und der Toleranz einsetzen

 

Nicht nur der Westen, auch die muslimische Welt muss ihr Verhalten ändern. Gerade gemäßigte Muslime müssen – unter Wahrung ihrer religiösen Identität – mutig für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit eintreten. Für eine Staats- und Wirtschaftsordnung, die die Talente der Menschen entfesselt, statt sie zu lähmen. Für die völlige Gleichberechtigung von Mann und Frau. Für wirkliche Religionsfreiheit auch für Juden und Christen – für einen Islam der Toleranz und des Fortschritts.

 

Die gemäßigte Mehrheit der Muslime muss die faszinierende Botschaft ihres Propheten Mohammed in die Neuzeit übersetzen und die gesellschaftlichen Reformen fortführen, die dieser unter Einsatz seines Lebens begonnen hatte. Sie muss den vorislamischen Ballast abwerfen, der die Renaissance der muslimischen Zivilisation behindert. Sie muss eine Bildungselite schaffen, die die muslimische Welt erfolgreich ins dritte Jahrtausend führt. Mohammed, Marktwirtschaft und Moderne passen sehr wohl zusammen.

 

Anders als manche muslimische Politiker unserer Tage war Mohammed kein Reaktionär. Er war ein kühner, nach vorne blickender egalitärer Revolutionär, der den Mut hatte, die Fesseln der Tradition zu sprengen. Sein Islam war keine Religion des Stillstands oder des Rückschritts, sondern der Erneuerung und des Aufbruchs. Wenigstens etwas von der Dynamik dieses großen Reformators würde der oft in Fatalismus und Selbstmitleid versunkenen muslimischen Welt gut tun.

 

Mohammed kämpfte mit Leidenschaft für soziale Veränderungen. Er trat für die Armen und Schwachen ein und – zum Ärger vieler seiner männlichen Anhänger – für eine massive Stärkung der Rechte der Frauen, die in vorislamischer Zeit in fast allen Kulturen nahezu rechtlos waren. Frauenunterdrücker können sich weder auf Mohammed noch auf den Koran berufen.

 

Mohammed war – wie unsere jüdischen Urväter Abraham, Moses und vor allem König Salomo, der laut Bibel tausend Haupt- und Nebenfrauen hatte – mit mehreren Frauen verheiratet, darunter eine Jüdin und eine Christin. Er mahnte seine Anhänger: „Wer einem Juden oder Christen unrecht tut, dem werde ich am Tage des Jüngsten Gerichts entgegentreten.“ Es wäre gut, wenn sich einige muslimische Extremisten an diese weisen Worte des Propheten erinnern würden.

 

Mohammed war kein Fanatiker und kein Extremist. Er wollte den damals polytheistischen Arabern den Gott der Juden und Christen nahebringen – in unverfälschter, reiner Form. Der Koran ist streckenweise eine grandiose poetische Nacherzählung der zentralen Botschaften der Bibel, „ein Buch, das das Buch Moses in arabischer Sprache bestätigt“ (Sure 46,12). Aus muslimischer Sicht ist der Koran das „Neueste Testament“.

 

Der heutige von einer winzigen Minderheit von Muslimen praktizierte Terrorismus ist eine absurde Verfälschung der Lehren Mohammeds. Er ist ein Verbrechen gegenüber dem Islam, eine Beleidigung Allahs. Islam heißt Gottergebenheit und Frieden.

 

Die muslimische Welt darf nicht zulassen, dass ihre große, stolze Religion mit ihrem Ethos der Humanität und Gerechtigkeit durch eine Minderheit verblendeter, krimineller Ideologen in den Schmutz gezogen wird. Niemand hat dem Ansehen des Islam in seiner fast tausendvierhundertjährigen Geschichte mehr Schaden zugefügt als die islamisch maskierte Ideologie des Terrorismus.

 

Die muslimische Welt muss dieser Terrorideologie die religiöse Maske vom Gesicht reißen. Sie muss den Götzen

Terrorismus genauso zerbrechen, wie Mohammed die Götzen der vorislamischen Zeit zerbrach.

 

 

Quelle: Feindbild Islam Zehn Thesen gegen Hass

Jürgen Todenhöfer, 2011 Bertelsmann Verlag München